Und meine Nichte hat mich schon ihren Klassenkameraden in der "Bravo" zeigen können - was will man mehr.

Ostsee Zeitung 30.05.2002
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Solokonzert mit Trommel und viel mehr

Thomas Görsch lehrt das Spielen eines Schlagzeuges. In Barth zeigt er in einem Konzert selbst, was er drauf hat.

Barth (OZ) - So ein Schlagzeuger, der hat es ja nicht einfach. Auf der Bühne sitzt er zumeist hinten, „die Gitarristen aber stehen vorn und kriegen die Mädchen ab“. Der dieses deprimierende Kapitel des Musiker-Lebens seinen Trommelschülern vermittelt, weiß aus eigener Erfahrung sehr gut, wovon er spricht. „Außerdem muss ein Drummer immer zuerst aufbauen, und nach dem Konzert dauert es ewig, bis er alle seine Teile wieder ordentlich verpackt hat“, erzählt Thomas Görsch, der — glaubt man seiner Internet-Seite — auch „Trommelthomas“ genannt wird. Und er hat noch eine Horrorgeschichte parat: „So ein Schlagzeuger wird immer als Erster aus einer Band geschmissen“.

Genug Angst gemacht? Nützt nichts. Der Run auf den Schlagzeugunterricht ist ungebrochen. Das ist gut für die künftigen Bands und natürlich auch erfreulich für Thomas Görsch, der Kindern und Jugendlichen beibringt, dass das Bedienen von Trommel, Becken und Hi-Hat mehr ist, als nur mal wild in die Welt zu gucken und den Trommelstock kreiseln zu lassen.

43 Jahre alt ist Thomas Görsch, hat die wildeste Zeit seines Drummerdaseins hinter sich. Bei „Expander des Fortschritts“, „Knorkator“ und „Mutabor“ saß er an der Schießbude. Angefangen aber hatte alles auf einem Hinterhof in seiner Geburtstadt Schwerin. Da beobachtete der kleine Thomas in einem Keller einen Schlagzeuger beim Üben. Und es stand fest: „Ich werde Schlagzeuger“. Vier Jahre lang durfte er nur die kleine Trommel in der Musikschule schlagen, „das nervt, aber es schaffte beste Voraussetzungen für mein Studium an der Berliner Musikhochschule ‘Hanns Eisler‘“, erzählt Görsch. Er arbeitete dann als Solopauker und Theatermusiker, war Live-Trommler in diversen Bands.

Auch jetzt noch ist der Musiker Thomas Görsch auf den Bühnen unterwegs, tritt mit „Kokolores Diabolo“ auf historischen Märkten auf.

Seit etwa fünf Jahren ist er als Schlagzeuglehrer aus Zansebuhr an der Musikschule Nordvorpommern tätig. „In Barth unterrichte ich zum Beispiel elf Jungen.“ Mädchen seien eher die Ausnahme beim Wunsch nach einer Schlagzeugausbildung. Eine Warteliste hat Thomas Görsch angelegt, um die interessierten Drummer unterrichten zu können. Zuerst vermittelt er ihnen Tipps, wie man zu Hause übt, ohne die Restfamilie und die Nachbarn zu entsetzen. „Gummimatten sind ein gutes Lärmbekämpfungsmittel“.

Ganz ohne Krachschutzmittel ist Thomas Görsch am 23. März im Barther Rathaussaal zu erleben. Der zweiteilige Abend wird das Publikum mit Improvisationen, aber auch mit einem Workshop erfreuen.

Und das Beste: Der Schlagzeuger sitzt ganz allein und ganz vorn auf der Bühne.

HANS-JOACHIM MEUSEL

Ostsee Zeitung 19.03.2010